Herrnhut – Hainewalde – Zittau: Wie (ge)denkt ihr?

Geschichte findet nicht nur in großen Städten „weit weg“ statt, sondern in der direkten Umgebung. Dies wurde an einem ganz besonderen Lerntag für Grund- und Leistungskurs Geschichte der Klasse 12 deutlich. Themen der Veranstaltung: Das frühe Konzentrationslager im Hainewalder Schloss und Gedenken heute.

Im ersten Teil des Projekttages wurde sich mit dem Thema der Veranstaltung vertraut gemacht – in acht Gruppen lernten die Schülerinnen und Schüler die Geschichte des „KZ Hainewalde“ kennen und bereiteten verschiedene inhaltliche Beiträge vor. Anschließend startete der Reisebus Richtung Hainewalde. Das hiesige „neue Schloss“ war bereits zwei Monate nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten eines der ersten frühen Konzentrationslager in unserer Region. Vor allem politische Gegner und jüdische Mitmenschen wurden hier in sogenannte „Schutzhaft“ genommen und mittels Strafarbeit und Folter brutal „umerzogen“. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler berichteten sich gegenseitig von dem Lagerleben im Schloss und stellten exemplarische Biografien von Gefangenen vor.

Im Anschluss gab Vereinsmitglied Arno Gellrich noch einen Abriss über die weitere Geschichte des Schlosses nach 1945. Seit dem Jahr 2000 setzt sich der Förderverein für den Erhalt und die Belebung des „Kanitz-Kyawschen Schlosses“ ein und leistet beeindruckende Arbeit.

Für den dritten Teil des Projekttages ging es mit dem Reisebus ins Gerhart-Hauptmann Theater nach Zittau – welches als eines von drei „Grenzlandtheatern“ im Deutschen Reich1936 eröffnet wurde. Nach einem Einstieg über die Geschichte des Hauses blickten alle Teilnehmenden ins Heute und beschäftigten sich mit den Fragen „Ob und wie Gedenken heute noch notwendig ist“. Gearbeitet wurde dabei wieder in acht Gruppen und es entstanden eindrucksvolle Ideen wie sich junge Menschen Gedenkarbeit wünschen. Beispielhaft seien hier eine Gedenkapp, eine interaktive Umfrage und personalisierte Biografieplakate genannt.

Die abschließende Feedbackrunde zeichnete ein gutes Resümee des Projekttages – so wurden u.a. folgende Punkte positiv heraus gestellt: „generationsübergreifender Austausch“, „Beschäftigung mit lokaler Geschichte“, „Blick ins Heute“, sowie „die Einbindung von drei verschiedenen Lernorten“. Wir sind allen Beteiligten bei der Umsetzung sehr dankbar – allen voran der Netzwerkstatt der Hillerschen Villa, welche diesen Projekttag organsiert und gestaltet hat. Finanziell wurde dieser Tag unterstützt durch die Partnerschaften für Demokratie – Zittau.